Am 25. September konnte Kari Heinzer (ds Wiisäwands) den Anerkennungs- und Förderpreis „Bödmerenholz“ in einer feierlichen Zeremonie vom Verein Zukunft Muotathal entgegennehmen. 

Der Preis ist ein grosses Dankeschön und soll seine zahlreichen Verdienste um den Schwingsport und das Vereinsleben anerkennen und würdigen. 

 

 

 

 

Fotos: Daniela Gwerder

 

Laudatio von Sandra Gwerder

Mehr als ein Leben für Vereine

Kari ist einer, der nicht einfach nur am Vereinsleben teilnimmt, er lebt für die Vereine. Seine Vereinskarriere begann Kari, wie so manch anderer, als aktives Vereinsmitglied. So gewann er als Sennenschwinger fünf Kränze, der Höhepunkt seiner Aktivkarriere bildete der 2. Rang am Schwyzer Kantonalen 1976 in Einsiedeln.

Eine beachtliche Vorstandskarriere

Doch ist seine Vorstandstätigkeit das eigentliche Verdienst für den Schwingsport. 22 Jahre war Kari im Vorstand des Schwingklub Muotathal, 10 Jahre amtete er als Präsident. Seine Vorstandskarriere ging im Vorstand des Schwyzer kantonalen Schwingerverbandes weiter. Über 18 Jahre lang war er Vorstandsmitglied, 8 Jahre als Präsident. 1997 wurde Kari als Archivar und Vizepräsident des Innerschweizerischen Schwingverbandes gewählt. Dort amtete Kari 12 Jahre im Vorstand, 4 Jahre als Präsident von 2005 bis 2008, notabene erst der zweite Präsident aus dem Kanton Schwyz.  Als Präsident des ISV gehörte er automatisch auch dem Zentralvorstand des Eidgenössischen Schwingverbandes an, hier war er 2. Sekretär.

Es blieb aber nicht einzig und allein beim Schwingsport: So war Kari 1974 Gründungsmitglied der Ringerriege Brunnen, für zwei Jahre Materialverwalter des Skiclub Muotathal und seit 1970 ist er aktiver Schütze. Seine polysportiven Interessen machten ihn auch zu einem wertvollen Mitglied des kantonalen Sportverbandes, erstmals nahm er zwischen 2001 und 2005 Einsitz in diesem Vorstand. Ein Jahrzehnt – von 2010 bis 2020 – führte Kari das Präsidium, welches er erst vor Kurzem abgab. Kari leitete einen Verband, dem insgesamt 48 Sportarten angehören, von all diesen Sportarten hat Kari selber fünf ausgeübt: Schwingen, Ringen, Nationalturnen, Schiessen und Ski Alpin.

Kari – das Multitalent

Seine Vorstandstätigkeit machte aber beim Sport nicht Halt. Über 20 Jahre war er für die Viehzuchtgenossenschaft Stoos und als Milchkontrolleur tätig – über zwei Jahrzehnte war er Zuchtbuchführer, mit anderen Worten könnte man Karis Tätigkeit als «Zivilstandsbeamter für Vieh» bezeichnen. Zu der Viehzuchtgenossenschaft Stoos hatte Kari eine spezielle Bindung, denn sein Vater gründete diese, deshalb war Kari mit besonders viel Herzblut dabei. Sogar für das Schnee- und Lawinenforschungsinstitut Weissfluhjoch Davos arbeitete Kari. Während 6 Wintern war er als Schneemesser auf dem Stoos tätig und gab seine Daten jeweils dem Lawinenforschungsinstitut weiter, wichtige Daten, um den Lawinenbericht für unsere Region möglichst exakt zu erstellen.

Man sollte meinen, irgendwann ist genug, bei Kari jedoch noch lange nicht. Weitere Vereine, in denen er im Vorstand war oder immer noch ist: Beisitzer und Aktuar im Samariterverein, über 30 Jahre Rechnungsprüfer im Einwohnerverein Ried, Protokollführer des 100-Kilo-Verein und 6 Jahre Einsatz für die Feuerwehr Stoos. Darüber hinaus stand Kari in mehr als 100 Schwingfesten im Sägemehl als Kampfrichter im Einsatz, er war auch Speaker bei Lotto-Matches der Viehzuchtgenossenschaft, auch fürs Stimmenzählen bei den Raiffeisen Generalversammlungen war er sich nicht zu schade. Kari war wirklich mit Leib und Seele dabei, man könnte fast sagen, er opferte sich auf bis aufs Blut: Den über 80-mal ging er auch sein Blut spenden. Auch vor der Politik machte Kari nicht halt. Neben seiner Tätigkeit als treues Vorstandsmitglied der Ortspartei der SVP, vertrat er die Gemeinde zwischen 2000 und 2008 im Kantonsrat und in diversen Kommissionen.

Ein «Chrampfer» und Vordenker

Was machte Kari zu einem derart wertvollen Mitglied für viele Vereine und Vorstände? In Karis Sitzungen gab es nie Streitigkeiten, sein Leitsatz war: «Es wird nüd chiflet». Diesen konnte er über all die Jahre erfolgreich umsetzen. Kari war es stets ein Anliegen, keine Unruhe in Sitzungen aufkommen zu lassen. Mag es auch in Vereinen und Vorständen Streitigkeiten gegeben haben, unter Karis Führung kamen die Vereine zur Ruhe. Ein Zeichen für natürliche Autorität. Nachwuchsförderung war Kari immer ein grosses Anliegen. Egal welche Sportart, egal welcher Verein. Kari brachte insbesondere den Schwingsport im Thal voran: Der gute Ruf des SK Muotathal ist zu einem grossen Teil auf Karis Arbeit zurückzuführen. Er war stets offen für Neues, etwa innovative Trainingsmethoden. Er verstand es, einen Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne zu machen. Auch konnte Kari mit gewissen vorgefassten Meinungen und sturen Ideen brechen. So war es Kari wichtig, dass Vereine allen offen stehen, nicht nur einem erlauchten Kreis.

Kari musste allerdings auch gegen Widerstände kämpfen, etwa bei seiner Wahl zum Präidenten des Schwingklubs. So äusserte sich ein Vorstandsmitglied nach der Wahl: «Ja, wänn ich gwüsst hät, dass es der macht, häts au ich chönnä». Kari ist ein Chrampfer, sein Schaffen geprägt von Fleiss, seine Arbeitsweise speditiv und zuverlässig. Ein Beispiel gefällig? Schon vier Jahre vor dem Innerschweizerischen Schwingfest in Muotathal hielt er die erste Sitzung. Sorgfältige Planung und eine reibungslose Organisation bei Anlässen waren unter Karis Führung gewährleistet.  Dies belegt die folgende Anekdote, die sich auswärts an einem Schwingfest zugetragen hat: Zwei Schwingerfans stehen für eine Bratwurst an. Der eine beklagte sich darüber, wie lange man immer für Grillbratwürste anstehen müsse. Sein Kollege entgegnete: «Muäsch überall lang astah, ussert im Thal». Ein Beispiel dafür, wie gut Feste im Thal unter Karis Leitung durchgeführt wurden.

Kari – der gewitzte Rhetoriker

Kari ist und war ein guter Botschafter fürs Thal, seine Reden geprägt vom Thaler Dialekt und einer guten Prise Humor. Kari ist ein guter Rhetoriker, mit wenigen Worten, kann er das Richtige sagen. Kari war es auch immer wichtig, bei seinen Ansprachen authentisch zu wirken, oft liess er beim Redenschwingen seine Intuition spielen. So verzichtete Kari oft auf Notizen, er konnte immer situativ etwas miteinbeziehen und sich auf seine Intuition verlassen. Bei all seinen Tätigkeiten war er mit Leidenschaft dabei und scheute sich auch nicht, seine Emotionen zu zeigen. Auch seine Voten im Kantonsrat schienen jeweils geradezu druckreif zu sein: Bei vielen seiner Wortmeldungen im Kantonsrat, gab es nachher ein Zitat von ihm in der Zeitung, immer wortwörtlich. Weiter scheinen seine Protokolle einen gewissen Unterhaltungswert zu haben, oft gab es etwas zu schmunzeln: Denn sie sind oft amüsant «vertrüllets» geschrieben.

Bewegende Momente

Wohl einer der Höhepunkte in all den Jahren bildete die Festrede am Innerschweizerischen Schwingfest im Muotathal im Jahr 2006. Ein anderer eindrücklicher Moment war bei der Beerdigung des Jodlers Ruedi Rymann, wo er die Grabrede hielt. Karis Vorredner war kein geringerer als der damalige Bundesrat Samuel Schmid. Einerseits wollte Kari nach der bundesrätlichen Rede nicht abfallen, andererseits merkte er, dass er nun in einer höheren Liga angekommen ist. Seine Vereinstätigkeiten brachten ihn sogar bis nach Afrika, genauer in den Niger. Im Auftrag des Bundesrates durfte Kari den Schwingsport an den Jeux de la Francophonie 2005 vorstellen.

Ein Muss: der Rückhalt in der Familie

Bei dieser Vielzahl an Tätigkeiten, fragt man sich: Wie waren all diese Aktivitäten möglich? Ohne die Unterstützung seiner Familie und seiner Ehefrau Rita wäre die Vielzahl der Tätigkeiten undenkbar gewesen. So gab es auch immer einen regen Austausch mit Rita. Rita war immer auf dem Laufenden, was seine Vorstandstätigkeiten betraf.  Anrufe und Fragen konnten oft von Ehefrau Rita beantwortet werden. Kari und Rita waren ein eingespieltes Team. Bevor er jeweils am Abend aus dem Haus ging, fragte sie ihn: «Wenä ä Hübschä muäsch sii?». Wenn Kari meinte «scho ä chi» - hiess das Hemd und Krawatte. Erwiderte Kari: «Äs gaht äso». Bedeutete dies, ein Hemd genügt. Weiter waren die Arbeitsbedingungen bei der Stoosbahn förderlich – den freien Mittwochnachmittag opferte er jedoch nie den Vereinstätigkeiten, diese Zeit hielt er immer für die Familie frei.

Rechnet man all seine unbezahlten Tätigkeiten über die Jahre hoch, kommt man auf gut und gerne 35'000 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit, das macht um die 4375 Arbeitstage, das wiederum ergibt 17 Arbeitsjahre für Vereine und Verbände. Kari ist wahrlich nicht nur einer, der am Vereinsleben teilnimmt, sondern einer, der für die Vereine lebt. Sieben Ehrenmitgliedschaften, eine Freimitgliedschaft und der Sportförderpreis des Kantons zeugen von der Wertschätzung, die Karis Schaffen entgegengebracht wird.

Kari Heinzer - ein äusserst würdiger Preisträger.