Am 18. Mai 2017 konnte Richard Betschart (z’Eggelers) den Anerkennungs- und Förderpreis „Bödmeren-holz“ in einer feierlichen Zeremonie vom Verein Zukunft Muotathal entgegennehmen.

Es folgt eine gekürzte Fassung der mündlich vorgetragenen Laudatio.

 

 

 

"Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun" 

„Die heutige Ausgabe der Preisverleihung kommt möglicherweise auf den ersten Blick etwas anders daher, weil nicht ein grosses Werk vorliegt: keine Firma, kein Verein, kein Buch, kein „Produkt“. Heute ehren wir eine Person, die mit vielen kleinen Taten Grosses leistet, die viel Engagement und Herzblut an den Tag gelegt hat und die mit grosser Ausdauer und Konsequenz ihre Ziele verfolgt. Mit diesen Eigenschaften reiht sich diese Person nahtlos in die Liste der bisherigen Preisträger ein. Dass es viele kleine Taten sind, die wir heute auszeichnen, ist die eine Seite der Medaille. Anderseits könnte jeder im Grunde das leisten, was Richard Betschart (z’Eggelers) nun seit Jahrzehnten tut. Hätte, wäre, könnte… Der entscheidende Punkt ist, dass der pensionierte Briefträger aktiv geworden ist und den Schritte von „man sollte“ hin zu „ich mache es“ vollzogen hat. Oder wie es der deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe treffend umschrieben hat: "Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun".

Umweltbewusst, aber kein Grüner

Es ist mittlerweile weiterherum bekannt, dass Richard sich für eine intakte und lebenswerte Umwelt ein-setzt. Er sammelt Abfall am Wegrand, neben Strassen oder im Dorf ein und entsorgt ihn. Er macht dies immer, wenn er sowieso unterwegs ist. Zusätzlich geht er aber arbeitsam auf Sammeltouren und muss dabei leider immer wieder feststellen, wie achtlos viele Leute gegenüber der Umwelt sind. Ihm ist seine Umgebung aber ein grosses Anliegen. Nur damit wir uns richtig verstehen: Richard ist kein „Grüner“, auf diese Tatsache besteht er. Für den Preisträger ist es nur logisch und vernünftig, dass Müll fachgerecht entsorgt werden muss. Aus seiner Warte macht er nichts Aussergewöhnliches, sondern nur das, was eigentlich jeder tun könnte – oder eigentlich müsste. Wenn man mit Richard über das Thema spricht, so ist seine Expertise bemerkenswert. Er hat regelrecht ein Auge dafür entwickelt, wo Abfall liegt. Er erkennt zum Beispiel eine leere PET-Flasche zwischen zwei Steinen in einem Bachbett, wo ein Laie nichts erkennen würde. Es gibt aber nicht nur die versteckten Verschmutzungen. Leider ist der herumliegende Müll häufig nur allzu offensichtlich. Dosen, Verpackungen und Zigarettenstummel werden achtlos aus dem Autofenster entsorgt und landen auf der Wiese oder im Wald. Es dauert lange bis der Abfall zersetzt ist und schlimmstenfalls gelangt er in den Wasser- und Nahrungskreislauf von Mensch und Tier.

Laufbahn als uniformierter Postbeamter

Begeben wir uns nun auf Spurensuche in der Biographie, um zu entdecken, wie Richard ein umweltbewusster Aktivist, aber eben kein Grüner wurde. Richi ist 1951 „is Schurter’s“ im Ried-Muotathal zur Welt gekommen und zusammen mit acht Geschwistern in der „Maiänä“ aufgewachsen. Seine Schulzeit wollte er so schnell wie möglich hinter sich bringen, so dass er bereits im zarten Alter von 14 Jahren seine erste Stelle bei der Schreinerei Imhof („z’Stinis“) antrat. Weitere Stellen auf dem Bau und als Knecht folgten kurze Zeit später. Im Herbst 1968 begann er in Schwyz seine berufliche Laufbahn mit der Lehre als „uniformierter Postbeamter“. Nach Stationen in Luzern und Zürich führte ihn sein Weg schliesslich nach Horgen, wo er als Briefträger angestellt wurde. 1973 hatte Richi bereits genug vom städtischen Leben, so dass es ihn zurück in sein geliebtes Muotatal zog. Nicht zu Letzt wurde er des Öfteren im Stalden gesichtet, genauer gesagt im Restaurant Pragelpass, wo seine zukünftige Ehefrau Paula arbeitete. Die Hochzeitsglocken läuteten zwei Jahre später. Es folgten bald darauf ihre drei Kinder Sandra, Rolf und André. Als Pöstler in Muotathal ereignete sich eine Art Schlüsselerlebnis. Richard war mit dem Handwagen am Postverteilen, als er eine Glasflasche am Strassenrand sah, sie aber noch an Ort und Stelle beliess. Als er sie am nächsten Tag zersplittert und zerschlagen am Boden vorfand, war für ihn klar, dass er sich ab sofort um herumliegenden Abfall kümmern wird. Ein zweites Erlebnis, das vielleicht ebenfalls an der Wurzel des Müllsammelns steht, ist der Abfall auf den Schwingfestplätzen. Als Trainer der Nachwuchsschwinger sorgt Richi mit seinen Jungschwingern jeweils dafür, dass das Gelände rasch von dem zurückgelassenen Unrat befreit wurde.

Schwingen begleitet ihn schon das ganze Leben

Schwingen ist Richards grosse Leidenschaft. Schon als Bub haben er und seine Brüder im Ried Schwingfeste organisiert, Sägemehl angekarrt und sogar Gastschwinger z.B. von der Grossmatt eingeladen. Mit grosser Sachkenntnis verfolgt er heute das Geschehen auf dem Schwingplatz als Zuschauer. Selber kämpfte Richi als Aktiver ebenfalls um Ehren. Den Status als Kranzschwinger erreicht er 1984 im Herbst seiner Karriere. Die Erleichterung war gross, dass es mit 33 Jahren endlich geklappt hatte. Drei Jahre vorher war Richi aber bereits dem sogenannten „Nicht-Kranzer-Club“ beigetreten. Dies ist eine Ansammlung nicht ganz so erfolgreicher Athleten, die jedes Jahr zusammen einen Ausflug unternehmen. Dass Richi – nun als Kranzer – nicht aus dem Klub geworfen wurde, ist wohl einzig und allein seiner geselligen und lustigen Art zu verdanken. Bereits während seiner Aktivkarriere übernahm er 1981 die Betreuung der Jungschwinger des Schwingklub Muotathal. Nach Angaben des Schwingklubs, war er der erfolgreichste Jungschwingertrainer in der Vereinsgeschichte. Unter seiner Ägide kamen in den 14 Jahren 77 Siege sowie 925 Zweige oder Auszeichnungen zusammen. Die Jungschwinger hatten eine helle Freude an ihrem Trainer, da er es verstand, Ernst und Spass gut zu kombinieren. Als würde das Amt als Jungerschwingertrainer noch nicht reichen, amtete Richi zusätzlich 20 Jahre als Versicherungskassier. Hinzu kommen temporäre Ämter an diversen Schwingfesten als OK-Präsident, als Gaben- und Unterhaltungschef sowie als Festwirt – ja sogar das Amt als offizieller Rasenmäher bekleidet er. Folgerichtig ist Richi seit 1990 Ehrenmitglied im Schwingklub Muotathal und seit 1992 sogar beim Schwyzer Kantonalen Schwingerverband.

In den Bergen oder auf dem Gartensitzplatz

Neben dem Schwingen sind die Berge seine zweite grosse Leidenschaft. Sowohl im Sommer als auch im Winter ist er oft unterwegs und kennt vielen Berge und Wege wie seine Westentasche. Zu seinen Bergtouren führt Richi genau Buch. So haben sich, seit er vor sechs Jahren 60 Jahre alt geworden ist, bereits über 380 Touren angesammelt. Für Richi ist es darum naheliegend, dass er sich im Verkehrsverein als sogenannter „Weggötti“ und in der Werkgruppe engagiert, um die vielen Kilometer Wanderwege in unserer Gemeinde zu unterhalten und in Stand zu stellen. Darunter fällt auch das Montieren der Sitzbänkli. Überhaupt scheint das Unterwegssein ein wichtiges Motiv im Leben des Preisträgers zu sein. Er ist als Abfallsammler und als Berggänger unterwegs und hat einen grossen Teil seines Berufslebens ebenfalls unterwegs als Briefträger verbracht. Wenn Richard mal nicht auf Achse ist, so findet man ihn zuhause auf Gartensitzplatz oder auf dem Sofa. Dabei vertieft er sich in Geschichts- und Ahnenbücher des Muotathals, im Hintergrund erklingt wahrscheinlich ein schönes Jodellied. Wer Richi kennt, der weiss, dass er nie um einen Spruch verlegen ist. Mit seiner träfen Art „z‘sprüchnä“, sorgt er bei mancher Tischrunde für Heiterkeit und grosses Gelächter. Seine Schlagfertigkeit wird als legendär bezeichnet. Man glaubt es sofort, wenn ehemalige Nachbarn berichten: Wenn auf der Post bereits in den frühen Morgenstunden lautes Gelächter zu hören war, so war Richi mit grosser Wahrscheinlichkeit der Grund dafür. Damit Richard ein so aktives Leben führen kann, braucht er die grosse Unterstützung seiner Liebsten. Mit dem Tod der Tochter Sandra im letzten Jahr musste die ganze Familie traurige und harte Momente durchstehen. Mit diesem grossen Verlust umzugehen ist sicherlich nicht einfach. Richi schätzt sich aber glücklich, dass er immer auf die Unterstützung seiner Frau Paula zählen konnte, die ihm bei all seinen zahlreichen Aktivitäten den Rücken stärkte. Paula ist nach eigener Aussage froh, wenn er sich selber mit sinnvollen Sachen – wie zum Beispiel Abfallsammeln – beschäftigen kann und dies auch weiterhin tut.

Interesse an der Umgebung und den Mitmenschen

Mit unserer Spurensuche kommen wir langsam ans Ende. Wir haben nun einiges aus der Biographie erfahren und vielleicht auch einige Hinweise bekommen, was ihn zu seinem Engagement antreibt. Andererseits stellen wir aber fest, dass es sich nicht zwingend aus der Biographie alleine erschliesst und erklärt, warum Richi diese grosse Arbeit auf sich nimmt. Er interessiert sich für seine Umgebung und seine Mitmenschen. Das hilft ihm sicher, sich immer wieder aktiv für beides einzusetzen. Umso mehr ist er ein Vorbild für uns alle: Nicht lange überlegen, sondern einfach den Abfall auflesen und entsorgen. Mit der Verleihung des Anerkennungs- und Förderpreises wollen wir Richard ein herzliches Dankeschön ausdrücken für seinen grossen Einsatz. Er selber ist zu bescheiden und würde das nie so sagen, aber für uns ist er ein leuchtendes Beispiel und wir danken ihm auch für die stille Botschaft, die er weiterträgt: Mit dem vermeintlich Einfachen, trägt er zu etwas Grossem bei.“

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