Am 30. September 2016 wurde in einer feierlichen Zeremonie Alex Gwerder mit dem «Bödmärä-Holz» ausgezeichnet. Es folgt eine gekürzte Fassung der mündlich vorgetragenen Laudatio.

Mit seinem Einsatz, seiner Ausdauer – und nicht zuletzt mit seiner Hartnäckigkeit – hat Alex enorm viel für das Muotatal geleistet, sowohl im Sport wie auch in der Musik. Dafür gebührt ihm ein herzlicher Dank und grosse Anerkennung.

 

 

All seine Eigenschaften zusammen ergeben ein solides, starkes Fundament, das Voraussetzung für seine erfolgreiche Laufbahn ist. Diese Eigenschaften, diese Kräfte wusste Alex aufs Beste zu nutzen und umzusetzen. Bereits mit 17 Jahren musste er für «Tönis Seffi» in die Lücke springen und kurzerhand die Jugendriege als Leiter übernehmen. Dies tat er dann sage und schreibe 18 Jahre. In dieser Zeit war es auch, als «Spiel ohne Grenzen» in vielen europäischen Ländern über den Bildschirm flimmerte. Natürlich war Alex auch mit dabei, als die Mannschaft den Sieg ins Muotatal holte. Das Polysportive reizte Alex seit früher Jugend. Der Mehrkampf, das war sein Ding. Im Nationalturnen holte er insgesamt fünf eidgenössische Kränze, als Turnerschwinger erkämpfte er sich noch mit 33 Jahren seinen letzten Kranz. In dieser Zeit wurde auch der Handballverein gegründet. Hier war er über viele Jahre - bis die Mannschaft in die Nationalliga B aufstieg - als Goalie aktiv. Und immer wieder «öppä», nahm er sein «Muulorgäli» hervor und gab ein Stück zum Besten.

Nichts Schlimmeres als «halbbatzige» Sachen!

Solche Leistungen kommen nicht von ungefähr. Da braucht es schon mehr als eine Prise Ehrgeiz! Alex forderte von seinen Leuten immer Höchstleistungen, genau wie er es von sich forderte. Verloren hat er gar nicht gerne und Aufgeben war so quasi ein Fremdwort in seinem Wortschatz. Wenn so viel Ehrgeiz im Spiel ist, kann der Körper schon mal eine Auszeit beanspruchen. Die Flickstellen sind zwar gut verheilt, aber es gab eine stattliche Anzahl von Brüchen, Verrenkungen, Zerrungen und Quetschungen. Wer durch einen Unfall nach unten gelangt, muss zuerst aufstehen und sich dann wieder aufs Neue motivieren und herankämpfen. Ein Hauptmerkmal seiner Persönlichkeit ist, dass Alex dies immer wieder gelungen ist: «äs ghörigs Standuuf-Mändli!»

Triebfeder in Alex ist sicher eine grosse Portion Ehrgeiz. Selbstgefälliges Stehenbleiben und Sich-Zurücklehnen passt nicht dazu. Er verfolgte Ziele beharrlich, vielleicht auch ab und zu verbissen. Mit solchen Attributen ausgestattet, hat er sich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt, genauso wie hinter jedem Gipfel wieder ein anderer Berg auftaucht.

Seine Energie ist sofort spürbar

Sein geselliges, kommunikatives Wesen brachte ihm und anderen viele fröhliche Stunden und gute Kontakte. Obwohl seine Impulsivität und Unbändigkeit im ersten Moment für viele Leute nicht immer einfach zu handhaben war, macht gerade dies einen grossen Teil seines Erfolgs aus. Er kann andere motivieren, mitreissen und zu Höchstleistungen anspornen.

Als Trainer und technischer Leiter konnte er seine Talente während zehn Jahren auch jüngeren Nachwuchsschwingern weitergeben. Wenn er spürte, dass der Sportler begeisterungsfähig und willig war, dann war für Alex fast nichts zu viel. Schon früh bemerkte er, dass ein erfolgreicher Sportler nicht nur physisch, sondern ebenso psychisch gesund und stark sein muss. So hatte er immer auch ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Sportler. Seine Trainingseinheiten, die nebst hartem Körpertraining auf den drei Pfeilern: Mentales, Ernährung und Erholung basierten, waren damals zukunftsweisend. Vor den Schwingfesten probierte er seine Schwinger jeweils mit folgendem Satz zu motivieren: «Stellid üch vor, we z`Veh tuäd, wänns ds erscht mal im Früälig uf d`Weid darf!». Oder vor dem Eidgenössischen in Bern: Er verglich die Situation mit dem Einzug der Gladiatoren - angstfrei und von sich selbst überzeugt, so sollen seine Schützlinge sein.

Als Trainer war er Vorbild, auch was die Kameradschaft anging. So wurde der Schwingsport, der ja eigentlich eine Einzelsportart ist, unter seinen Fittichen fast zum Mannschaftssport. Er verlangte Disziplin und Gehorsam. Besäufnisse nach den Schwingfesten gab es eher selten bis nie. Geselligkeit ist nicht von Alkohol abhängig! So war seine Devise jeweils: «A dr Fasnacht nu einisch ä so ghörig i Usgang» und danach enthaltsam bis zum Herbst.

Aus dem gelegentlichen «muulörgälä» wurde auf einmal Ernst

Anlässlich des «Festes der Freude» anno 1991 trat Alex zusammen mit «Schmids Seffis Brösel und Adi, Hofers Cornelia und ds Pragelpassä Roger» als Ad-hoc Formation auf. Dies war die Geburtsstunde der zukünftigen dustyboots, den staubigen Stiefeln, die inzwischen auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückschauen können. Ihre Country Feste sowie ihre erste CD waren legendär. Mittlerweile sind daraus acht Tonträger geworden - und keiner hat Staub angesetzt.

In den 25 Jahren hat sich vieles verändert. Aus der lokal und vielleicht noch regional bekannten Gruppe ist eine national anerkannte Country-Rock-Band gewachsen, die auf vielen bekannten Festivals und Bühnen gespielt hat. Ein Meilenstein in der Bandgeschichte war die Teilnahme an der «Schweizer Rock & Blues Cruise» auf dem Mittelmeer, gemeinsam mit vielen Musikgrössen wie unter anderem Polo Hofer, Philipp Fankhauser, Les Sauterelles und Span. Besonders stolz ist Alex auf die Auftritte am Internationalen Country-Festival im Schützenhaus Albisgüetli, dem wohl grössten Country-Festival der Schweiz sowie auch am internationalen Country- und Trucker-Festival in Interlaken.

Mit dem «Muotathal Mountain Man» hat er auf der zweiten CD im Jahr 1998 ein neues Kapitel der Bandgeschichte aufgeschlagen, indem er Eigenkompositionen veröffentlichte. Der Titel wurde rasch zu einem richtigen Hit und machte die Band unverwechselbar. Inzwischen hat Alex gut und gerne 30 Songs beigesteuert und eingespielt. Einige davon laufen am Radio, «Midnight Train» wurde im Film «Die Herbstzeitlosen» als Soundtrack eingespielt. Schöne Erfolge, die durch zwei Fernsehauftritte: bei «Hopp de Bäse» und «Risiko» gekrönt worden sind. Und jedes Mal mit dabei: Der Name Muotathal.

Seele der dustyboots

Im Laufe der Jahre gab es natürlich auch Veränderungen bei der Band. Geblieben – als Seele der dustyboots sozusagen – ist Alex Gwerder. Ihm ist es immer wieder gelungen, die Band zusammenzuhalten und durch eine gute Auswahl von Musikern den Fortbestand zu gewährleisten. Auch hier beweist Alex immer wieder Zielstrebigkeit, Tatkraft und Beharrlichkeit. Alex stellt hohe Erwartungen an seine Bandmitglieder. Die Priorität muss bei der Band liegen, der Mitspieler sich zur Band bekennen. Nur gute Musik machen genügt ihm nicht, denn gerade bei Terminvereinbarungen geht es vor allem um die Frage der Priorität. Zusammen als Band etwas erreichen, zusammen das Publikum begeistern.

Treue ist ein weiterer wesentlicher Begriff für Alex. Das bezieht sich auf die menschliche Ebene genauso wie auf die geschäftliche. Ein Veranstalter aus dem Kanton Aargau war damals überaus entgegenkommend und hilfreich, als die «staubigen Stiefel» noch wenig bekannt waren. Bis heute werden deshalb Anfragen aus seinem Büro berücksichtigt, wenn immer möglich. So eine ausserordentliche Beziehung besteht auch zu Polo Hofer, der früher mal im Gschwänd oben rockte und eine freundschaftliche Verbundenheit mit den dustyboots pflegt.

Familie als Rückhalt

Es wurde jetzt einiges über den Charakter von Alex erzählt. Doch ein wichtiger Punkt fehlt noch: seine Familie. Er ist verheiratet mit «ds Heiriwisis Fredälis» Lisbeth. Zusammen haben sie drei Kinder: Nicole, Andrea und Marcel. Für Alex ist die Familie Rückhalt, Energiequelle und Ausgleich. Immer versuchte er, die Familie zu integrieren. Schwierigkeiten wurden am Familientisch ausdiskutiert. «Lisä» war sich durchaus bewusst, wen sie heiratete. Vollblutsportler war er schon von Haus aus, das hat ihr gefallen. Ebenso die Musik, die später hinzukam. Für seine Ehepartnerin war es allerdings nicht immer ganz einfach! Es gab auch eine Zeit, wo sie Alex um seine leidenschaftliche Beziehung zu seinen Hobbys beneidete; ihn darum beneidete, sich einer Sache so voller Energie widmen zu können. Vor allem als die Kinder grösser wurden, gab es für Lisbeth wieder mehr Freiraum, den sie für sich neu entdecken und gestalten konnte. Es war nicht ihr Ding, das Wesen von Alex ändern zu wollen. Sie liess ihm seinen Enthusiasmus und die Bereitschaft, sich voll und ganz einer Sache zu verschreiben. Lisbeth konnte und wollte Alex dies nicht wegnehmen. So ist Alex durch und durch authentisch.

Getreu dem Motto «hinter jedem starken Mann steht eine noch stärkere Frau» hat sie ihm all die Jahre den Rücken freigehalten. Sie hat ihn nicht mit alltäglichen Sachen belastet, sondern sich selbst darum gekümmert. Es ist ganz klar: Ohne den Rückhalt und die Unterstützung seiner Partnerin und seiner Familie hätte Alex es nicht geschafft, so lange auf der Erfolgsspur zu verbleiben.

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