Laudatio der Theatervereinigung

Um es gerade vorwegzunehmen: Die Theatervereinigung Muotathal wird nicht ausgezeichnet, weil sie ihr 50-jähriges Bestehen feiern kann; wir anerkennen, was sie in den 50 Jahren alles zuwege gebracht und wie sie dies angestellt hat. Schon allein die Gründung der Theatervereinigung ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Die Verantwortlichen im Wil wieder zu neuem Leben zu erwecken. Die Initianten gingen mit viel Idealismus und mit Begeisterung ans Werk. Ja, man darf bei diesen Männern gar von Pioniergeist sprechen. Und Pioniere nehmen bekanntlich das Risiko des Misslingens in Kauf. Dass dieses Risiko bestanden hat, belegt die Tatsache, dass die Theatervereinigung mit einer happigen Schuld von Fr. 10'000.--startete. Dies würde heute gut und gerne Fr. 100'000.-- ausmachen.

 All dies hielt die Gründer nicht davon ab, diese «Lotterbude», wie sie damals der Gemeinderat bezeichnete, zu übernehmen. Sie haben die Bude nicht nur zu einem Vereinslokal ausgebaut, sondern gleich eine kleine Mehrzweckhalle entstehen lassen. So diente die renovierte Halle dem Turnverein und den Gemeindeschulen als Turnlokal. Im Foyer war der Kindergarten untergebracht und auf der Galerie das Schulzimmer für die 1./2. Klasse eingerichtet. Zu guter Letzt diente die Halle auch als Theatersaal! Rückblickend darf man wohl sagen, dass die Führung des jungen Vereins optimal besetzt war.

Da war der erste Präsident Paul Hediger sel., a. Gemeinschreiber. Er war der Organisator, der Macher. Er entwickelte die Ideen und er verfolgte die Ziele hartnäckig und mit grosser Energie. Da war der Regisseur Paul Betschart, Lehrer, sel., der Pädagoge und Musikus. Er wählte mit gutem Gespür die Theaterstücke aus und er bearbeitete sie gekonnt für die Muotathaler Spielleute. In der Person von Pfarrer Josef Sidler, sel., hatte man zudem einen guten Fürsprecher. In gut gesetzten Worten wusste er die Anliegen des jungen Vereins zu vertreten. So war es nicht verwunderlich, dass schon im ersten Vereinsjahr von einem Erfolg berichtet werden konnte. Der Reinerlös betrug Fr. 4'500.--. Beflügelt von diesem vielversprechenden Start wagte sich die Regie an das aufwendige und anspruchsvolle Stück «Der Adlerjäger von Uri» heran. Unvergesslich aus der Anfangszeit ist und bleibt das Theaterstück «ds Chorber Lieseli». Das Lied, welches damals in diesem Stück gesungen wurde, entwickelte sich zu einem regelrechten Ohrwurm. Es wurde von Jung und Alt gerne gesungen und ist heute nach 46 Jahren noch nicht in Vergessenheit geraten. In den folgenden Jahren reihte sich ein Volksstück an das andere.Das Theater Muotathal war nun mittlerweile in der ganzen Deutschschweiz bekannt und populär. Gewiss, nicht alle Theaterstücke kamen beim Publikum gleich gut an. Es gab auch «Durchhänger», bei denen man um die Car-Unternehmen froh war, welche die Besucher zuführten, um den Saal zu füllen. Dessen ungeachtet vermochte die Theatervereinigung mit ihrer natürlichen Spielweise und der Pflege des Muotathaler-Dialektes ihren Erfolg von Jahr zu Jahr zu steigern. Inzwischen besuchen in jeder Spielzeit an die 9'000 Personen aus der ganzen Schweiz das Theater in Muotathal. Alles andere als selbstverständlich ist es, ja, man kann darob nur staunen, dass sich immer wieder an die fünfzig Personen bereit erklären, ihre Freizeit für das Theater zu opfern. Spieler oder Kulissenschieber bereiten so einigen tausend Besuchern ein paar unterhaltsame Stunden.

Auch wenn es in den Statuten der Theatervereinigung nicht vorgegeben ist, so war man sich bald einmal im Klaren darüber, in der theaterfreien Zeit die Halle als Kino zu nutzen.Bereits 1951 wurden die ersten Filme gezeigt. 1953 wurde dann eine Occasions-Filmapparatur angeschafft. Damit hatte Muotathal etwas zu bieten, was nicht einmal im Kantonshauptort Schwyz selbstverständlich war. Was die Theatervereinigung Muotathal mit grossem Enthusiasmus in der St. Josefshalle betreibt ist ein gut eingerichtetes Kino, welches die gängigsten Filme erstaunlich rasch zur Vorführung bringt. Ein Kino, das vor allem in den Anfängen die jungen Zuschauer in grossen Scharen anzulocken und zu begeistern vermochte. Während vielerorts die Kinos eingegangen sind, führt die Theatervereinigung immer noch jedes Jahr ca. 30 Filme vor. Jeder Film wird durchschnittlich von 100 Personen besucht. Auch dies ist ein echter kultureller Beitrag. Er verbessert die Wohn- und Lebensqualität des Dorfes.
Die Theatervereinigung hat im Laufe der Zeit noch andere Blüten und Früchte hervorgebracht. Auch diese Früchte haben sich als eine Bereicherung in der kulturellen Landschaft unseres Tales erwiesen. Ich meine damit die «Mühligrund-Symphoniker», welche sich aus Spielern des Theaterstückes «Mühligrund» gebildet haben, das 1989 zur Aufführung gelangte. Sie sind inzwischen eine beliebte Musikkapelle geworden.

Innovative und initiative Theaterleute

In den Statuten der Theatervereinigung wird als Zweck auch die Bereitstellung, der Ausbau und Unterhalt des Theatergebäudes genannt. Da gab es allerdings einiges zu tun, um aus der «Lotterbude» eine St. Josefshalle umzubauen, so wie wir sie heute kennen: Eingerichtet mit allem, was für einen geordneten Theater- und Kinobetrieb nötig ist. Der Zuschauerraum lebt von der heimeligen Atmosphäre. Um dies alles zu erreichen, musste die Theatervereinigung nahezu eine Million Franken investieren. Dabei hat die Theatervereinigung 95 Prozent dieser Kosten selber aufgebracht. Um die Schulden abzutragen, ging die Theatervereinigung auch eigene Wege. Als es 1953 darum ging, die Occasions-Filmapparatur anzuschaffen und damit auch neue Schulden in Kauf genommen werden mussten, wollten nicht mehr alle Trägervereine mitmachen. Die Theatervereinigung liess sich deswegen nicht beirren. Spontan beschloss man, einen Bazar durchzuführen. Vielen ist er noch als der «Hallen-Bazar» in Erinnerung. Dabei machten alle Vereine mit. Sie erhielten 15 Prozent vom Reinerlös, dazu einen Bonus von Fr. 500.-- Der Theatervereinigung verblieben stolze Fr. 6'100.--, die Schulden konnten abgetragen werden. All die Kosten, dazu die Mühen und die vielen Fronarbeiten hat die Theatervereinigung auf sich genommen, um in einem besseren Umfeld Theater spielen zu können. Ja, trotz der vielen An- und Umbauten wurde jedes Jahr Theater gespielt! Jüngere Leute führen jetzt Regie und setzen andere Akzente. Es blieb jedoch beim Erfolgsrezept, heitere Volksstücke aufzuführen, gespickt mit Situationskomik, träfen Sprüchen und eingestreuten Liedern. Die Spieler bringen so die Besucher zum Lachen und zum Weinen.

Das Erfolgsrezept

Einer dieser jungen Regisseure war Kurt Schelbert. Er hatte 1995 das Volksstück «Adelheid vom Burgerwald» inszeniert und dabei ein Lied eingeflochten, das schon vorher im Thal viel gesungen wurde und in diesem Theaterstück zu Ehren kam. Es ist der «Lumpensammler».

Die Bilanz von 50 Jahren Theatervereinigung

Die Bilanz von 50 Jahren Theatervereinigung Muotathal ist beeindruckend. Eine so bewegte Geschichte kann wahrscheinlich im Tal kein Verein vorweisen. Wir erachten die kulturelle Leistung der Theatervereinigung Muotathal, und was sie damit bewirkt und ausgelöst hat, als aussergewöhnlich, vorbildlich und nachahmenswert. Ebenso aussergewöhnlich und nachhaltig ist auch ihr Erfolg. Auch betrachten wir den Willen, die Infrastruktur der St. Josefshalle immer wieder zu erneuen und den Anforderungen der Zeit anzupassen, als sehr innovativ und gemeinnützig. Damit diese vorbildliche Einstellung zur Kultur und die grosse Bereitschaft der Theaterleute, soviel Zeit und Kraft in diese Sache zu investieren, vermehrt Nachahmung findet, hat der Verein Zukunft Muotathal an ihrer Generalversammlung vom 16. April einstimmig beschlossen, den Anerkennungs- und Förderpreis, den «Muota-Stei», im Wert von Fr. 5'000.--, der Theatervereinigung Muotathal zu verleihen.


Wir gratulieren der Theatervereinigung recht herzlich zu dieser Auszeichnung!