Alfred Gwerder-Schelbert (ds Weibels Fredl) ist der älteste Muotathaler Pöstler

Während 33 Jahren war Alfred Gwerder-Schelbert (1934) tagtäglich mit seinem Handwagen unterwegs. Bei Wind und Wetter verteilte er die Post an die Haushalte im Postkreis Muotathal. Im Gespräch mit dem Zirk schwelgt er in Erinnerungen an vergangene Tage.

Von Manuela Hediger

 

 

 

In der gemütlichen Sitzecke im Altersheim Buobenmatt werde ich von Alfred Gwerder-Schelbert erwartet. Seit mittlerweile 23 Jahren ist er pensioniert. Natürlich ist der ehemalige Pöstler betroffen über die bevorstehende Schliessung der Post. Während über drei Jahrzehnten stand er im Dienst der Post und hat selbst zahlreiche Änderungen und Neuerungen miterlebt. Er teilt mit dem Zirk einige seiner Erinnerungen.

„Dr Fredl macht niä äs Gätterli uf“

Verschwiegen, wetterfest und gute Geografiekenntnisse. Diese Eigenschaften wurden von einem Pöstler erwartet. Dass Alfred Gwerder seinen Beruf geliebt hat, merkt man. Als er angefangen habe, so Gwerder, hätten die Bauern gesagt: „Dr Fredl macht niä äs Gätterli uf.“ Er sei einfach überall drüber gesprungen.

Aber das Verteilen der Post war nicht immer ein Vergnügen.  „Im Winter, wenn es so stark schneite, dass der Schnee schon in die Hosensäcke fiel, war es am schlimmsten. Aber auch da musste man raus.“ Und wenn ein neugieriger Thaler wissen wollte, welche Zeitung der Nachbar abonniert hat, wurde Verschwiegenheit erwartet. Das Postgeheimnis war heilig. Es durfte nicht mal verraten werden, ob jemand den «Boten» oder die «Schwyzer Zeitung» liest.

Apropos gute Geografiekenntnisse

Früher war vieles einfacher, aber sicher nicht das Sortieren der Post. Alfred Gwerder erinnert sich, dass der alte Posthalter zwischen Weihnachten und Neujahr für zehn Tage jeweils nichts anderes gemacht hat, als Neujahrswunschkarten zu stempeln und zu sortieren. Das war sogar noch bevor die Postleitzahlen in den 60er-Jahren eingeführt wurden: Da musste der Posthalter selbst die kleinsten Ortschaften zuordnen können.

Der Pöstler brachte die AHV

Zu seiner Zeit, erzählt Alfred Gwerder weiter, hatte ein Pöstler noch mehr Aufgaben als heute. Man stellte auch Geld und Betreibungsaufträge zu. Ausserdem war der Pöstler zuständig für die Auszahlung der AHV. Das waren die sogenannten Postanweisungen. Am 5., 6. und 7. jeden Monats standen die alten Leute jeweils parat. Für ihn sei das immer eine schöne Aufgabe gewesen, erinnert sich Alfred Gwerder. Die Leute seien nämlich grosszügig gewesen, und so gab es häufig ein kleines Trinkgeld. Das sparte er jeweils, um mit seiner Familie wieder einmal einen Ausflug zu machen.

 

Ein Foto der damals neu errichteten Poststelle in Muotathal, die über Jahrzehnte die Arbeitsstelle von Alfred Gwerder war.
Foto: zVg Walter Imhof